Anleihen: Vom risikofreien Zins zum verzinsten Risiko (Episode 48)

Shownotes

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00:00:07: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von glänzende Perspektiven, dem Podcast von ProAurom.

00:00:13: Wenn man die Finanzmärkte der vergangenen Jahre betrachtet, dann gibt es kaum eine Anlageklasse, die einen so bemerkenswerten Wandel durchlaufen hat wie Staatsanleihen.

00:00:23: Vor wenigen Jahren schien das Thema fast erledigt – Null Zinsen, teilweise sogar Negativ-Zinzen, kaum Laufen der Erträge….

00:00:29: Viele Anleger fragten sich damals ernsthaft, warum sie überhaupt noch Staatsanleihen kaufen sollten!

00:00:34: Während diese Suchte investierte häufig in Aktien oder andere, risikoreichere Anlageklassen.

00:00:40: Gleichzeitig rückten auch Sachwerte wie Goldstärkern den Fokus bei.

00:00:43: viele Anleger nach Alternativen zu zinslosen oder sogar negativ verzinnsten Staatsanleihen suchten.

00:00:50: Heute sieht die Welt etwas anders aus – zehnjährige Bundesanleihren rentieren wieder um die drei Prozent US-Staatsanleihen bei rund vierundhalb Prozent und britische Staatsanleihen lagen zeitweise im Bereich von fünf Prozent oder darüber.

00:01:06: Eigentlich klingt das zunächst nach einer guten Nachricht, schließlich erhalten Anleger wieder Erträge.

00:01:12: doch genau hier beginnt das eigentliche Thema unserer heutigen Folge denn viele der Gründe warum die Renditen gestiegen sind gehören gleichzeitig zu den größten Sorgen der Finanzmärkte Hochstaatsverschuldung, wachsende Haushaltsdefizite, geopolitische Risiken und die Frage ob die Inflation dauerhaft höher bleiben könnte als in den Jahrzehnten zuvor.

00:01:33: Anders formuliert Die Renditen sind zwar zurück aber vielleicht ist damit auch ein Teil der alten Gewissheiten verschwunden.

00:01:42: Genau darüber wollen wir heute sprechen.

00:01:44: Ich tue das wieder mit meinem Kollegen Alexander Köhne dem Vertriebsleiter von ProAurom Ja Alex!

00:01:51: Sind Staatsanleihen noch immer der Sicherheitsanker, als den viele Anleger sie über Jahrzehnte wahrgenommen betrachtet haben?

00:01:58: Oder erleben wir gerade einen grundlegenden Wandel weg vom risikofreien Zins hin zu einem verzinnsten Risiko.

00:02:08: Ja hallo Benni, hallo liebe Züracher!

00:02:09: Also es ist ehrlicherweise ein kniffeliges aber meines Erachtens daher auch um so wichtigeres Thema denn in der Niedrigzinsphase also gemeint ist eben die Phase, die so von ich glaube es war zwei tausend siebzehn achtzehn begonnen hat wo wir ja zum teil bei bei banken dafür bezahlen musste wenn man geld auf dem konto hatte.

00:02:35: also im gesang niedrigzinsphase.

00:02:38: da habe ich immer gesagt also vom risikolosen zins zum zinslosen risiko und heute stimmt das dass hast du ja gesagt nicht mehr zu hundert prozent weil es eben wieder Zinsen gibt, aber ich finde man kann nach wie vor sagen das es eben ein real zinsloses Risiko ist.

00:02:56: Weil die Zins sind ehrlicherweise oft marginal über der Inflationsrate liegen.

00:03:02: Aber vielleicht konkret zu deiner Frage Ich glaube dass der entscheidende Punkt ist bei Anleihen heute über etwas anderes sprechen als noch vor fünfzehn oder zwanzig Jahren.

00:03:14: Denn früher, da stand ja vor allem die Frage im Raum wie hoch ist der Zins und fertig?

00:03:20: Mehr Wasser am Ende nicht!

00:03:21: Und heute geht es dagegen zunehmend um... Ja du hast es schon so ein bisschen anmoderiert auch die Ursachen hinter diesen Zinsen und vor allem in welche langfristige Relation ich diese nominalen Zinsens der Anleien setze.

00:03:35: denn Wenn Investoren einem Staat beispielsweise, das gilt am Ende genauso für Unternehmen aber nehmen wir die Staatsanleihe mal als Beispiel ihr Geld für zehn zwanzig oder sogar dreißig Jahre leihen also möchte da nicht vergessen.

00:03:50: Die berühmte hundertjährige Anleihe der österreichischen Nationalbank aus dem Jahr zwei tausend siebzehn dann spielt nämlich eben Vertrauen in die Bonität und eben nicht nur in den Zins, eine ganz große Rolle.

00:04:05: Es geht da um Vertrauen an die Stabilität der Volkswirtschaft, in die Staatsfinanzen vor allem auch und letztlich damit auch in die Dauerhafte... Kaufkraft oder auch den dauerhaften Kaufkraft erhalt einer Währung.

00:04:21: Und deswegen sind Anleierendieten eben viel mehr nur als die reine Zahl auf einem Bildschirm, sie spiegeln tatsächlich auch wieder wie Märkte Risiken einschätzen.

00:04:33: und genau deshalb lohnt sich auch der Blick auf die Bond-Märkte also die Anleienmärkte derzeit besonders.

00:04:39: denn während Aktienmärkte sehr häufig von Wachstumserwartungen, Innovationen oder im Allgemeinen dem Blick auf die Zukunft geprägt werden.

00:04:52: Investoren oft sehr sensibel auf Kennzahlen wie ja Inflation, Verschuldungsraten und vor allem auch politische Unsicherheiten.

00:05:00: Und deswegen erzählen uns die Anleihermärkte vielleicht auch aktuell eine größere Geschichte, die dahinter steht als eine reine Zinsbewegung.

00:05:09: Es geht nämlich nicht nur um die Frage ob drei vier oder fünf Prozent Rendite attraktiv oder unattraktiv sind.

00:05:16: es geht eben um die frage was diese Renditen über den Zustand der Weltwirtschaft und auch der Staatshaushalter aussagen.

00:05:25: Es gibt nämlich meines Erachtens gerade mindestens genauso viele Experten und Investoren, die auf ein mögliches Crash beziehungsweise Blasenrisiko bei Bonds schauen wie Bei Aktien, wo man das sicherlich viel häufiger hört.

00:05:40: Mit der ganzen Tech-Entwicklung

00:05:43: etc.,

00:05:44: sind die Aktienmärkte in einer Blasenbildung.

00:05:46: Es gibt genauso viele Experten, die das eben im Bondmarkt auch sehen und sagen wie lange kann das noch gut gehen?

00:05:54: Um die aktuelle Diskussion so ein bisschen besser zu verstehen, ja dann müssen wir glaube ich zunächst auch mal erklären warum Staatsanleihen überhaupt diesen besonderen Status über die Jahrzehnte bekommen haben.

00:06:07: Sie galten...so galten die US-Staatsanleien und deutsche Bundesanleihen, die muss man ja da auch erwähnen als der sogenannte risikofreie Zins.

00:06:18: sie waren gewissermaßen der Maßstab an dem sich alles andere dann bemessen hat.

00:06:23: Dabei wurde dieser Begriff im Laufe der Zeit häufig missverstanden, denn risikofrei bedeutet ursprünglich vor allem das Entzahlungsausfall als extrem unwahrscheinlich gehalten.

00:06:33: Niemand ging ernsthaft davon aus dass die USA oder Deutschland ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten und mit der zeit entstand daraus jedoch fast ein Mythos.

00:06:43: viele Anleger setzten riskofrei irgendwann mit schwankungsfrei oder sogar verlustfreigleich.

00:06:50: Dabei war das nie der Fall.

00:06:52: Auch Staatsanleihen konnten unter Inflation leiden, du hast es angesprochen sie konnten bei steigenden Zinsen an Wert verlieren und bei Fremdwährungsanlagen kamen zusätzliche Währungsrisiken hinzu.

00:07:05: Vielleicht haben wir diese Risiken nur deshalb so lange verdrängt weil die vergangen Jahrzehnte für Anlei-Investoren außergewöhnlich günstig waren.

00:07:15: Ja absolut, dem war nämlich genauso.

00:07:17: Das war eigentlich wenn man so möchte durch diese Zeit von den frühen achtziger Jahren bis in etwa ja so der zwei tausend zehn oder zweitausend zwanziger Jahre die war aus Sicht vieler Anlei Investoren am Ende fast eine Traumphase.

00:07:34: bis auf ganz ganz kurze oder einzelne Jahre ging die Inflation nämlich langfristig zurück.

00:07:41: Also von diesem hohen Niveau aus, was wir mit der Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre kannten auch die Globalisierung wirkte kostendämpfend und vor allem deswegen konnten auch die Notenbanken die Zinsen über Jahrzehnte hinweg strukturell senken.

00:08:00: Und das war natürlich für Anleihen ideal, denn sinkende Zinsen bedeuteten dass die Kurse der Anleine eben gestiegen sind und es gab auch deswegen bis wie gesagt auf wenige Ausnahmen in den Jahren sehr lange kein Kursverlustrisiko wäre dann nämlich langfristig Staatsanleihen hielt.

00:08:21: Der profitierte nicht nur von den laufenden Kubons und eben der garantierten Rückzahlung bei Fälligkeit, sondern häufig auch von erheblichen Kursgewinnen.

00:08:33: Wenn ihr auch während der Laufzeit einmal seine Anleihe verkaufen wollte.

00:08:39: Und das Interessante ist viele Anleger betrachteten deshalb diese Entwicklung lange als ja Normalzustand so als gegeben.

00:08:48: Und wenn ich das aber historisch betrachte dann könnte es sich vielleicht sogar eher um eine Ausnahmephase gehandelt haben, also dass diese ja fast vierzeig Jahre eben nicht das normal widerspiegelten sondern eher eine historische Ausnahmephase waren.

00:09:05: Denn schaut man auf frühe Jahrzehnte oder auch die Zeit nach der Nullzinsphase ganz besonders, dann sieht man eine Welt zum einen mit höherer Inflation was per se natürlich für nominale Zinsen schlecht ist.

00:09:19: Daher auch steigenden Renditen und vor allem deutlich schwierigeren Bedingungen für Anleihe-Investoren.

00:09:25: Und genau deshalb diskutieren heute viele Marktbeobachter die Frage ob wir uns möglicherweise in einem oder auf dem Weg in ein neues Kapitalmarktregime befinden, einer Welt, in der nämlich Inflationen, Staatsverschuldung und Fiskalpolitik wieder viel wichtiger werden als in den vergangenen fünfzig Jahren.

00:09:47: Und ein Schlüsselmoment war dabei sicherlich das Jahr zwanzig zweiundzwanzig.

00:09:52: Viele Anleger erinnern sich noch gut daran, Aktien fielen deutlich.

00:09:56: Das war nicht ungewöhnlich in diesem Umfeld damals.

00:09:59: Ungewöhnlich war viel mehr das Anleihen gleichzeitig ebenfalls unter Druck gerieten.

00:10:04: Und das ist deswegen oder war deswegen bemerkenswert, weil über Jahrzehnte das klassische Sechzig-Vierzig-Portfolio als Standardmodell galt.

00:10:12: Sechszig Prozent Aktien für Rendite, vierzig Prozent Anleihen für Stabilität und die eigentliche Stärke der Staatsanleihe lag dabei oft gar nicht in der Verzinsung sondern in ihrer Funktion als Stabilisator im Portfolio.

00:10:25: wenn Aktienmärkte unter Druckerieten konnten hochwertige Staatsanleihen häufig einen Teil dieser Verluste Ausgleichen und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie damals, der Ukrainekrieg, der damals begonnen.

00:10:37: Die stark gestiegene Inflation und die darauf folgenden schnellen Zinserhöhung der Notenbanken führten dann dazu dass es zwanzig zweiundzwanzig beide Anlageklassen gleichzeitig unter Druck gerieten.

00:10:49: Und zwanzi... zwanziger zeigt damit für mich das diese Beziehung eben nicht garantiert ist.

00:10:55: wenn Inflations zum dominierenden Problem wird können Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen.

00:11:02: Und genau deshalb wird heute intensiv darüber diskutiert, ob die traditionelle Rolle der Staatsanleihe als Stabilisator, als Sicherheitsanker noch genauso selbstverständlich ist wie

00:11:14: früher.".

00:11:23: Deswegen auch übrigens einer der spannendsten Gedanken aus dem aktuellen Ingold wie Trust Report von Inkrementum.

00:11:31: Denn dort wird nämlich genau die Frage gestellt, ob das klassische Sechzig-Vierzig Portfolio langfristig seine alte Grundlage und vielleicht auch seine Aussagekraft verliert?

00:11:42: Und man muss diese These vom Inkrementums nicht uneingeschränkt teilen aber sie verweist auf einen ganz wichtigen Punkt.

00:11:51: Wenn nämlich Aktien und Anleihen gleichzeitig von denselben makroökonomischen Faktoren beeinflusst werden, also insbesondere von Inflationen.

00:11:59: Von Zinsen auch Stichwort Staatsverschuldung wie könnten Investitionstätigkeiten in der Zukunft aussehen?

00:12:06: Wie ist das Umfeld für eine Wirtschaftsinvestition?

00:12:10: Dann verändert sich die Logik der Diversifikation, Zum Ende der Nullzinsphase haben wir nämlich genau das erlebt, dass beide Bereiche enorme Kursverluste zu verzeichnen hatten und während die Aktien merkte diese Verluste zwischenzeitlich wieder aufholen konnten bzw.

00:12:32: weit über den damaligen Levels liegen sitzen Anleihe Investoren zum Teil immer noch auf hohen Kursverlisten bei gleichzeitig sehr, sehr niedrigen Bezins.

00:12:42: Also hier sei nochmal auf die eben bereits erwähnte hundertjährige Anleihe aus Österreich verwiesen.

00:12:49: Denn ein weiterer Gedanke aus dem Report der gefällt mir besonders gut denn dort wird sinngemäß gesagt Die entscheidende Frage ist heute möglicherweise nicht mehr wie hoch die Rendite einer Anleiher ist sondern wie viel Kaufkraft Sie dem Anleger in zehn Jahren tatsächlich erhält.

00:13:08: Und das klingt zunächst etwas abstrakt, ist aber enorm wichtig denn am Ende zählt eben nicht nur die nominale Zahl auf dem Kontrauszug.

00:13:18: entscheidend ist was man sich noch davon kaufen kann.

00:13:22: und es ist zwar schön wenn ich einerseits drei Prozent Zinsen erhalte aber nach Abzug von Steuern Und Inflation steht dann eben oft ein Verlust realer Kaufkraft, gerade weil ich ja nach der Laufzeit also noch fünf, sieben oder zehn Jahren auch nominal nur den gleichen Geldbetrag zurück erhalte, den ich ursprünglich mal investiert habe.

00:13:46: Und davon kann ich mir eben nach einigen Jahren deutlich weniger kaufkraftzeitig leisten als noch zum Beginn der Investitionen.

00:13:55: Ja guter Gedanke Alex!

00:13:58: Ich will jetzt noch ein bisschen detaillierter vielleicht eingehen auf die Entwicklung der Renditen.

00:14:04: Denn ich habe es ja gesagt, klar nominal.

00:14:07: wenn man die Inflation abzieht sieht's anders aus aber denn die Renditen steigen weltweit wie eingangs bereits gesagt.

00:14:14: und das bemerkenswerte daran ist ja dass wir hier nicht über einzelne Randthemen der Finanzmärkte sprechen irgendwelche griechischen Staatsanleihen oder andere Länder sondern dann steigende Renditen betreffen mittlerweile die größten Volks der Welt, die sich gerade in ... Wo?

00:14:30: In Vitell.

00:14:31: Nee, ein anderes Wasser war es, Idiom getroffen haben.

00:14:34: Genau!

00:14:36: USA, Japan, Großbritannien, Frankreich oder eben auch Deutschland.

00:14:42: Und die Ursachen sind vielfältig.

00:14:44: Auch das haben wir schon oft in diesem Podcast und auch heute schon angesprochen.

00:14:48: Staatsverschuldung, Haushaltsdefizite... ...und auch der enorme Refinanzierungsbedarf übrigens dieser Volkswirtschaften.

00:14:57: Gleichzeitig verlangen Investoren für langfristige Staatsanleihen eine höhere Entschädigung für Inflationslaufzeit und Fiskalrisiken.

00:15:05: Und deshalb können steigende Renditen eben zwei Dinge, das muss man verstehen einfach gleichzeitig bedeuten.

00:15:12: sie können anleihen natürlich ein Deut attraktiver machen und Sie können aber auch ein Signal dafür sein dass die Märkte bestimmte Risiken kritischer bewerten als noch vor einigen Jahren.

00:15:22: und genau deshalb lohnt es sich genauer hinzuschauen.

00:15:26: Ja, das ist sicherlich so.

00:15:28: Benny und meines Erachtens gibt es da ein sehr schönes Beispiel nämlich Japan.

00:15:34: Das vielleicht im negativen Sinne eindrucksvollste Beispiel an der Stelle ist denn das Land weiß eine Staatsverschuldung von deutlich über zweihundert Prozent der Wirtschaftsleistungen auf also eine irre Summe wenn man die sich vorstellt.

00:15:48: und solange die Zinsen extrem niedrig waren und das waren sie in japan über Jahrzehnte hatten die diese diese null beziehungsweise zum teil negativ zinspolitik da ließ sich das natürlich klar problemlos finanzieren steigen aber die renditen dauerhaft verändert sich Einfach.

00:16:07: diese gesamte Rechnung und genau das passiert jetzt in Japan gilt aber eben nicht nur für Japan, sondern für den gesamten Staatsanleihenmarkte.

00:16:16: Diese höheren Renditen von denen du gesprochen hast die bedeuten am Ende höhere Finanzierungskosten der Schuld Und das betrifft eben nicht only Anleger Sondern vor allem auch die Staaten selbst.

00:16:27: Denn jeder zusätzliche Prozentpunkt erhöht langfristig die Zinsausgaben der Staaten und schränkt damit deren Handlungsfähigkeit in den Haushalten deutlich ein.

00:16:40: Also stellen wir uns nur einmal vor, die EZB wäre jetzt gezwungen auf Grund hartnäckigerer Inflationen die Leitzinsen auf drei Prozent anzuheben?

00:16:50: Das würde bedeuten dass Herr Klingbald auf einmal vermutlich fast fünfzig Prozent mehr für neue Schulden an Zinslast bezahlen müsste als heute.

00:16:58: Offenes Wort von meiner Seite, das ist nicht finanzierbar und damit wird eben aus einem reinen Zinsthema plötzlich auch ein fiskalisches beziehungsweise fiskarpolitisches Thema.

00:17:12: also wie viel Geld bleibt denn zukünftig für Infrastruktur, Verteidigung oder Sozialausgaben übrig und wie tragfähig sind dann diese hohen Schuldenstände langfristig?

00:17:24: Und genau deshalb beobachten professionelle Investoren die Entwicklung der langfristigen Renditen so aufmerksam.

00:17:30: Denn gerade für die Notenbanken ist das man muss es sagen ein echter Drahtseilakt also Eindämmung der Inflation gegenüber Finanzierbarkeit der Haushalte, auch wenn es eigentlich nicht quasi ihre Aufgabe entspräche.

00:17:45: Aber es ist so.

00:17:45: bleibt die Inflation höher müssten sie eigentlich mit deutlichen Zinserhöhungen reagieren?

00:17:51: Wenn diese aber nicht mehr finanzierbar sind für die Staaten oder auch für die Unternehmen dann könnte es am Ende sogar heißen ja wie sagt man so Flapsig Operation gelungen Patient tot

00:18:02: und Lange Zeit gingen viele Anleger, aber auch professionelle Beobachter davon aus dass die Notenbanken nach dem Inflationsschock der vergangenen Jahre schrittweise zumindest wieder zu niedrigeren Zinsen zurückkehren würden.

00:18:16: und inzwischen hat sich die Diskussion ja doch spürbar verändert muss man sagen.

00:18:20: Die Inflation hat sich vielorts als hartnäckige erwiesen, als erwartet vor allen Dingen auch in den USA.

00:18:27: Die EZB hat die Zinsen zuletzt sogar wieder angehoben und auch in den USA wird verstärkt darüber diskutiert, wie lange das Zinsniveau erhöht bleiben muss.

00:18:36: Und gleichzeitig sorgen halt hohe Staatsdefizite und steigende Schuldenstellen dafür dass viele Marktbeobachter mit länger erhöhtem Kapitalmarktzinsen rechnen.

00:18:46: Genau darin zeigt sich eben, wie sehr sich die Diskussion verändert hat.

00:18:50: Früher standen bei Staatsanleihen vor allem Bonität und Ausfallrisiko, Mittelpunkt.

00:18:53: du hast es gesagt.

00:18:54: Heute spielen Inflation, Kaufkraft und die langfristige Stabilität der Staatsfinanzen eine mindestens ebenso große

00:19:02: Rolle.".

00:19:04: Und er kann jetzt nicht zu den Mithörmens sagen, dass er das Problem strukturell gelöst hätte.

00:19:18: Er hat es aber seinen Wählern versprochen und da kann man dann vielleicht die neunziger Jahre zitieren wo er Clinton damals mit its the economy stupid Wahlkampf machte.

00:19:27: Man muss hier vielleicht sagen ist der inflation stupid und da sieht man wie groß diese ja diese Kennzahlen und wie groß deren Auswirkungen bis weit in die Tagespolitik sind.

00:19:39: Hinzu kommt dann noch, wenn man jetzt mal wieder aufs Finanzwirtschaftliche schaut.

00:19:43: Man darf eins auch einfach nicht vergessen eben wegen der hohen Schuldenstände ist der Anleihemarkt nach wie vor einer der wichtigsten und vor allem größten Finanzmärkte der Welt.

00:19:55: denn das weltweit ausstehende Anleihvolumen bewegt sich in einer Größenordnung die mit dem globalen Aktienmarkt ja mindestens vergleichbar ist und je nach Definitionslage sogar übertrifft.

00:20:08: Und deshalb geht es auch heute weniger um die Frage, ob Anleihen grundsätzlich attraktiv oder unattraktiv sind.

00:20:15: Vielmehr stellt sich die Frage welche Rolle sie in Portfolio noch übernehmen können und welche Risikenanläger dabei bewusst auch eingehen möchten?

00:20:24: Dabei stehen meines Erachtens vor allem drei Risiken im Mittelpunkt.

00:20:27: das erste wir haben uns jetzt eben glaube ich rauskömmlich besprochen ist das Zinsrisiko.

00:20:31: also steigen.

00:20:32: die Marktzinsen können insbesondere die lang laufenden Anleien deutlich an Wert verlieren.

00:20:38: Warum?

00:20:38: Weil eben deren Zinsen in Relation zu den neuen Zins, die es gibt nicht mehr so attraktiv sind.

00:20:44: Das zweite auch nicht zu unterschätzen ist das Währungsrisiko und gerade bei US-Staatsanleihen können auch Wechselkursbewegungen für Euro Anleger einen erheblichen Teil der Rendite aufzählen oder umgekehrt auch verstärken.

00:20:59: Klammer auf!

00:21:00: Das kennen aber auch die Goldanleger da ist es ja am Ende genauso.

00:21:03: Da spielt der HOS Dollar auch eine gewisse Rolle.

00:21:06: Und schließlich und das ist aber das Entscheidende, gibt es das Ausfallrisiko.

00:21:10: Das vor allem bei Unternehmensanleihen, aber auch bei Staatsanleihen oder Anleihen von Staatsschulern schwächerer Bonität eine große Rolle spielt.

00:21:20: Für Anleger bedeutet das am Ende nicht jede Anleihe ist gleich – auch ein großer Unterschied zum Investmentgold.

00:21:27: Gold ist immer gleich!

00:21:30: Laufzeit, Bonität, Währung und auch die persönliche Anlagestriertie, die entscheiden darüber ob eine Anleihe Stabilität ins Portfolio bringt oder bringen kann.

00:21:39: Oder auch zusätzliche Risiken vielleicht sogar erzeugt Ich glaube eine kurzlaufende Anleiher.

00:21:45: Die können für einen Privatkunden am Ende natürlich Sinn machen Insbesondere wenn er oder sie weiß dass in nächster Zeit ein Kapitalbedarf ansteht.

00:21:53: Ich saß ja ganz offen, Benni für längerfristige Engagement aus.

00:21:56: Bin ich jedoch sehr, sehr skeptisch?

00:21:59: Das muss ich so offen sagen!

00:22:01: Ja und da bin ich auch voll deiner Meinung... das sind ja nicht nur Privatanleger, auch viele Experten und größere institutionelle Anleger.

00:22:11: die bevorzugen derzeit eher kurze oder mittlere Laufzeiten Und der Grund ist ja da auch relativ einfach Auch schon drei bis fünfjähriger Anleihen Nicht hundertjährig bieten derzeit vielfach ordentliche Renditen ohne das Anleger, die deutlich höheren Kurschwankungen sehr langer Laufzeiten eingehen müssen.

00:22:30: Und gerade in einem Umfeld, indem die weiteren Entwicklung von Inflation und Zinsen unsicher bleibt kann das sicherlich ein wichtiger Vorteil sein?

00:22:38: Ja genau da kommen wir jetzt natürlich zu dem Punkt der für uns besonders interessant ist Gold.

00:22:45: also es kommt jetzt für unsere Zuhörer vermutlich überraschend benny dass wir jetzt nochmal auf gold zu sprechen kommen.

00:22:52: dabei geht's nämlich ausdrücklich Nicht um ein Entweder-Oder, also Gold ersetzt am Ende Anleihen nicht.

00:22:59: Dafür sind die beiden zu unterschiedlich von der Anlageform her und Anleien ersetzen auch Gold nicht.

00:23:06: Also beide Anlageklassen erfüllen am Ende unterschiedliche Funktionen.

00:23:10: Eine Staatsanleihe ist nämlich am Ende nur eins.

00:23:13: Sie ist ein Zahlungsversprechen in der Zukunft.

00:23:17: Gold hingegen ist kein Zahlungsverbrechen.

00:23:21: Es besitzt weder einen Emittenten noch ein Gegenpartei-Risiko und deshalb beobachten wir auch seit Jahren, dass Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände ausbauen.

00:23:31: Und das bedeutet nicht, dass Staatsanleihen ihre Bedeutung komplett verlieren – das wäre sicherlich Quatsch!

00:23:37: Aber es zeigt, dass selbst Notenbanken heute breiter diversifizieren als früher und sich im Zweifel auch mal eher gegen eine Staatsanleiheninvestment und für ein Goldinvestment entschieden

00:23:49: haben.".

00:23:50: Und interessant ist dabei, dass eben viele der Entwicklungen über die wir heute gesprochen haben auch ganz stark die Attraktivität von Gold beeinflussen.

00:23:59: Also hohe Staatsverschuldung steigende Defizite, Inflationsriesen, geopolitische Spannungen – das sind genau die Faktoren, die Anleger da zu verlassen anlassen und verstärkt über Vermögenswerte außerhalb des klassischen Finanzsystems nachzudenken!

00:24:16: Gold liefert zwar keine laufenden Erträge, aber dafür hängt eben sein Wert nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners und auch nicht von politischen Entscheidungen einzelner Staaten oder Notenbanken ab.

00:24:29: Genau daraus entsteht an die spannende Frage könnte gold in einem Umfeld höherer Schulden anhaltender Inflationsrisiken und vor allem auch geopolitischer Unsicherheiten künftig langfristig ein Teil jener Funktion übernehmen, Anleger lange Zeit mit Staatsanleihen verbunden haben, nämlich eben Stabilität und Vertrauen.

00:24:53: Das ist bestimmt so!

00:24:55: Und ich überlege gerade ob ich so eine kleine Antwort... Wir haben jetzt schon ganz viel Antwortversuche gemacht auf unsere Ausgangsfrage aber ich fasse das vielleicht mal noch einmal zusammen.

00:25:08: Ich denke aus dem risikofreien Zins ist bei Anleihen sicherlich kein Hochrisiko Investment geworden, aber aus dem vermeintlich sicheren Zins ist wieder eine Anlageklasse geworden deren Chancen und Risikenanleger bewusst abwägen müssen.

00:25:26: Und genau deshalb dürfte Gold für viele Investoren künftig eher an Bedeutung gewinnen nicht als Ersatz für Anlein du hast es betont sondern als ergänzender Baustein der Diversifikation.

00:25:39: Ja genau und die aktuelle Diskussion über Anleihen, die zeigt halt auch vor allem eins.

00:25:43: Es gibt kaum ewige Wahrheiten an den Finanzmärkten, die für immer gelten und was über Jahrzehnte als selbstverständlich galt.

00:25:51: das kann sich eben auch verändern und genau deshalb lohnt es sich auch für Anleger bestehende Annahmen immer wieder zu hinterfragen.

00:25:58: Und die Frage ist heute vielleicht nicht mehr ob online gut oder schlecht oder attraktiv oder unattraktiv sind.

00:26:05: Die spannendere frage lautet am ende welche Rolle werden sie künftig in einer Welt spielen, die sich wirtschaftlich politisch und geopolitisch stark verändert.

00:26:16: Und wir stehen ehrlicherweise gerade auch erst am Beginn dieser Veränderungen.

00:26:19: Und deswegen ist mir auch eine Anmerkung jetzt zum Ende unseres Podcasts sehr wichtig für alle Privatanleger gilt und die es wirklich auch meines Erachtens zu prüfen gibt.

00:26:32: Denn vielen Privatanlegern ist meines Ernstens überhaupt nicht klar, wie ihr reales Anleihe-Exposure also die tatsächliche Menge meines Vermögens welches in den Anleihen investiert ist überhaupt aussieht!

00:26:47: Und was meine ich damit?

00:26:49: Sehr viele Privatanleger halten ja auch, also neben vielleicht ihren Tagesgeldern, Festgeldern ihrem Gold, ihren Depots.

00:26:57: Aber sehr, sehr viele Privateanlege halten eben auch Kapitallebensversicherungen, Riesler-Rürupverträge, betriebliche Altersvorsorge oder auch betrieblichen Pensions zu sagen gibt ja sehr, viel große Firmen die eben eigene Betriebliche altersvoresorge oder Pensionssysteme haben und diese sind Zu aller aller größten Teilen in Anleihen angelegt.

00:27:23: Mir ist das bewusst, dass das den Privatanlegern oft nicht so bewusst ist weil man eben an diese sehr lang laufenden Verträge auch oft nicht denkt.

00:27:30: aber wenn dieser Privat-Anleger jetzt auf seinen Depot schaut dann sollte er sich über die Summe der über solche eben genannten Vehikel gehaltenen Anleihe Westmans zumindest mal bewusst sein und sie vielleicht auch in der Größe her ungefähr kennen.

00:27:46: Und die allermeisten werden dann feststellen, dass Sie eben zusätzlich keine Anleihen mehr in das private Depot aufnehmen sollten!

00:27:55: da sich dann das angelegte Volumen im Anleihemarkt weiter erhöhen würde.

00:28:00: Und hier käme natürlich entweder ein ja erhöhtes Exposure bei Aktien ins Spiel oder auch nicht völlig überraschend, dass wir das jetzt erwähnen eben eine höhere Edelmittagquote als Ausgleich beziehungsweise Gegengewicht.

00:28:13: vielleicht als sehr vereinfachtes Beispiel also habe ich hunderttausend Euro in einer Kapitallebensversicherung jetzt mal unterstellen, dass die dann in etwa so bei neunzig Prozent in Inanleihen investiert ist und hunderttausend Euro Liquidesvermögen zur Anlage, dann sollte man vielleicht auch bei den zweiten hundertausend Euro tendenziell nur zwischen Aktien und Gold aufteilen.

00:28:34: Und eben nicht nochmal zusätzlich anleihen hinzunehmen!

00:28:39: Aber vielleicht müssen wir dazu noch eine separate Folge machen was das konkret für Privatinvestoren bedeutet?

00:28:46: Wir nehmen es mal auf die Liste oder?

00:28:47: Ja ja ist schon notiert, machen wir gerne.

00:28:50: Ja, sehr gut.

00:28:52: Denn jetzt soll es das für die heutige Folge erst mal gewesen sein.

00:28:56: Liebe Zuhörer ganz herzlichen Dank fürs zuhören!

00:28:59: Bleiben Sie uns gewogen und an der Stelle bis zur nächsten Ausgabe von glänzenden Perspektiven.

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